Ratgeber Steuererklärung: Das kann steuerlich geltend gemacht werden

aktualisiert am 25. Juli 2018 7 Minuten zu lesen
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Wer als Kleinunternehmer oder Start-up noch vergleichsweise neu im Firmen-Dschungel ist, der versucht anfangs die Kosten meist so gering wie möglich zu halten. Wer sich dafür entschieden hat, an einer kompetenten Steuerhilfe zu sparen, muss sich nun sputen, denn am 31. Mai muss die Steuererklärung beim Finanzamt abgegeben sein.

Dass Selbstständige noch mehr als Privatpersonen Belege horten und das ganze Jahr über sammeln, ist kein Geheimnis, denn: Wer eine Firma hat, ein Gewerbe betreibt, als Kleinunternehmer oder Start-up agiert oder gar Chef einer Holding ist, der kann in der Steuererklärung einige Anschaffungen angeben – und das Geld dafür wirkt sich dann positiv auf die Steuerschuld aus. Welche Ausgaben das genau sind, wird in den folgenden FAQs erläutert.

 

1. Was kann unter dem Sammelbegriff „Werbungskosten“ steuerlich geltend gemacht werden?

Arbeitsmittel, die eindeutig für den Betrieb notwendig sind, Versicherungen, die abgeschlossen werden müssen, um das Gewerbe zu betrieben oder den Gewerbetreibenden abzusichern, sowie Beiträge, die an Berufsverbände entrichtet werden müssen, fallen unter den Begriff Werbungskosten. Wurde eine Weiterbildung absolviert oder ein spezielles Seminar, welches zur jeweiligen selbstständigen Tätigkeit passt, können auch die Kosten dafür unter Werbungskosten fallen. Aber Achtung: Sachbearbeiter beim Finanzamt prüfen die Position „Fortbildungskosten“ oft ganz genau, denn hier sind einige Steuervergünstigungen möglich.

 

2. Können Kranken-, Pflege und Rentenversicherungen abgesetzt werden?

Seit dem Jahr 2010 ist es um diesen Bereich besser bestellt. Seitdem regelt das Bürgerentlastungsgesetz nämlich, dass die Pflegeversicherung komplett, die gesetzliche Krankenversicherung weitestgehend und sogar die private Krankenversicherung steuerlich geltend gemacht werden kann. Auch Renten- und Lebensversicherungen können steuerlich geltend gemacht werden. Besonders diejenigen, die einen staatlich geförderten und einen privaten Vertrag abgeschlossen haben, können beide Kostenpunkte absetzen.

 

3. Was genau zählt denn zu den „Arbeitsmitteln“, die sich positiv auf die Steuerschuld auswirken können?

Arbeitsmittel können die rein physisch vorhandenen Arbeitsmittel sein wie etwa der Hammer des Handwerkers oder der Schreibblock des Journalisten. Auch der Werkzeugkoffer und das Kopierpapier zählen zu den sogenannten Arbeitsmitteln, die steuerlich anerkannt werden. Daneben können auch Kosten für Firmenfahrzeuge unter diesem Punkt in der Steuererklärung verortet werden und Werbegeschenke, die an Kunden oder an Mitarbeiter verschenkt werden. Was beim Absetzen von Streuartikeln (einer Sonderform von Werbegeschenken) zu beachten ist, wurde in diesem Beitrag zusammengefasst.

 

4. Inwiefern können Bankgebühren, die für ein Firmenkonto anfallen, abgesetzt werden?

Bei den sogenannten Kontogebühren haben Gewerbetreibende zwei Optionen: Entweder sie rechnen die tatsächlich anfallenden Kosten ab. Tun sie dies nicht, wird in aller Regel eine Pauschale von gerade einmal 16 Euro veranschlagt.

 

5. Zahlt es sich wirklich aus, Gutes zu tun?

Ja, durchaus, denn wer für den guten Zweck spendet und darüber eine entsprechende Quittung erhält, der kann diese Spende auch steuerlich geltend machen.

 

6. Was versteht man unter Abschreibungen?

Eine Großinvestition wie etwa die Anschaffung eines Autos, das für gewerbliche Zwecke genutzt wird, kann über einen längeren Zeitraum „abgeschrieben“ werden und wirkt sich dabei positiv auf den steuerpflichtigen Gewinn aus. Aber Achtung: In diesem Fall muss im Vorfeld geklärt werden, ob es sich um ein privat und geschäftlich genutztes Auto handelt und inwiefern das Auto zum Betriebsvermögen des Unternehmens zählt. Manchmal kann es sinnvoller sein, Fahrtkosten nach dem Kilometer-Pauschalsatz von 30 Cent pro Kilometer abzurechnen, wenn es sonst zu einem erheblichen Mehraufwand für die Trennung von Privat- und Firmennutzung kommen würde.

 

7. Wie kann das Geschäftsessen steuerlich geltend gemacht werden?

Im Steuer-Fachjargon wird das Geschäftsessen unter „Bewirtungskosten“ verbucht. Ist die Firmenfeier gehörig ins Geld gegangen, können die Kosten dafür unter „Personalaufwand“ verbucht werden. Auch wenn im Rahmen einer Konferenz, eines Seminars oder einer anderen Form des beruflichen Get-togethers Kosten für Essen und Getränke anfallen, sind diese zu 100 Prozent absetzbar. Besser fahren Gewerbetreibende also, wenn sie ihre Geschäftskontakte ins Restaurant einladen, zumindest werden dann 70 Prozent der Kosten erstattet, wenn ein förmlich ausgefüllter Bewirtungsbeleg der Quittung beiliegt. Die Kosten für den Kaminabend in den eigenen vier Wänden können indes nicht abgesetzt werden.

 

8. Inwiefern kann sich das eigene Arbeitszimmer Steuer begünstigend auswirken?

Seit dem Jahr 2010 wirkt sich das hauseigene Arbeitszimmer wieder deutlich positiver auf die Steuerschuld aus, denn in diesem Jahr wurde vom Bundesgerichtshof ein Urteil gefällt, dass die Begrenzung auf 1.250 Euro aufgehoben hat. Dies erfolgte sogar zusätzlich rückwirkend, so dass diejenigen, die gesetzeskonform kein Arbeitszimmer zwischen 2006 und 2009 abgesetzt haben, hier die Möglichkeit hatten, nachträglich Kosten geltend zu machen.

 

9. Gibt es bereits bei der Firmengründung Steuerliches zu beachten?

Ja, durchaus. Gründungsberater Dr. Thomas Schulze hat hier eine Checkliste vorbereitet, mit Hilfe derer eine Rechtsform gewählt werden kann, die sich günstig auf die Steuerschuld auswirken kann. Darüber hinaus wird in dem Fachartikel beschrieben, wie wichtig die Vertragsgestaltung für die spätere Steuererklärung ist und, wie wichtig es ist, die Umsatzsteuer extra zu verbuchen, um für eine Begleichung der Umsatzsteuerschuld gewappnet zu sein.

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