GmbH-Anteile: Teilhaber, Übertragung und Steuern

aktualisiert am 20. Februar 2019 11 Minuten zu lesen
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Was gibt es bei der Übertragung von Geschäftsanteilen zu beachten und welche Unterschiede gibt es überhaupt bei Beteiligungen? Und welche Steuern fallen bei Kauf oder Veräußerung eines Anteils an? firma.de liefert Ihnen die wichtigsten Informationen rund um “GmbH-Anteile”.

 

Anteile, Teilhaber und Beteiligung: Begriffserklärung

Personen, die Anteile an einem Unternehmen halten, werden nicht nur als Teilhaber, sondern auch als Gesellschafter oder Anteilseigner bezeichnet. Eine Beteiligung halten kann eine natürliche oder juristische Person, solange sie die Rechte und Pflichten eines Geldgebers bei einem Unternehmen wahrnimmt. Die Höhe des Geschäftsanteils wird nach § 14 GmbHG nach der jeweils übernommenen Stammeinlage bestimmt.

Doch wie wird entschieden, wie die Rechte und Pflichten von Kapitalgebern auszusehen haben? Und welche Arten der Beteiligung gibt es?

Bei Gründung der GmbH wird bereits entschieden, welcher Gesellschafter welchen Anteil am Unternehmen hält. In der Satzung (oder auch: Gesellschaftsvertrag) werden dann die prozentualen Anteile festgehalten. Die Höhe der Anteile ist mit verschiedenen rechtlichen Folgen verbunden, beispielsweise dem Stimmrecht und der Gewinnbeteiligung innerhalb der Gesellschaft.

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GmbH: Anteilsarten für Gesellschafter

Generell wird zwischen folgenden Arten der Beteiligung unterschieden:

  • Bei Anteilen unter 10 %: Hier liegt eine Streusitzbeteiligung vor, auch Kleinstbeteiligung genannt. Diese Anteile sind nur dann relevant, wenn bei Abstimmungen einstimmige Beschlüsse erforderlich sind.
  • Bei Anteilen unter 50 %: Hier liegt eine Minderheitsbeteiligung vor.
  • Bei Anteilen von 25 bis 50 %: Hier liegt eine Sperrminorität vor. Mit einer Sperrminorität können Gesellschafter Beschlüsse der Gesellschafterversammlung verhindern, die eine qualifizierte Mehrheit (>75 %) erfordern. So sichern sich beispielsweise Investoren bevorzugt einen Anteil von 25 % an einem Unternehmen: So müssen Sie zwar nicht am Unternehmen mitwirken, können jedoch Satzungsänderungen, Fusionen oder ähnliches blockieren. Weitere Informationen zur Sperrminorität finden Sie in unserem Ratgeber.
  • Bei Anteilen über 50 %: Beschlüsse, die eine einfache Mehrheit erfordern, können vom Anteilseigner blockiert oder herbeigeführt werden.
  • Bei Anteilen von 75 bis 95 %: Hier liegt eine qualifizierte Mehrheitsbeteiligung vor. Dieser Gesellschafter kann mit seinem Geschäftsanteil viele Beschlüsse im Alleingang durchsetzen, die lediglich von einer Sperrminorität blockiert werden können.
  • Bei Anteilen von 95 bis 100 %: Hier liegt eine Eingliederungsbeteilung vor. Diese ist vor allem dann notwendig, wenn eine Übernahme des Unternehmens erfolgen soll, um sich gegen die Miteigentümer durchzusetzen.

Die Einflussnahme je nach Anteilshöhe ergibt sich ausschließlich, wenn keine Trennung von Kapitaleinheit und dem Stimmrecht im Gesellschaftsvertrag angegeben wurde. Rein rechtlich ist dies allerdings möglich.

Die Schachtelbeteiligung stellt eine besondere Form der Teilhabe dar: Hält eine Kapitalgesellschaft (z. B. eine Mutterkapitalgesellschaft) an einer anderen Kapitalgesellschaft (z. B. einer Tochterkapitalgesellschaft) einen bestimmten Mindestanteil, greifen besondere gewerbe- und vermögensssteuerliche Vorteile, um die steuerliche Doppelbelastung der Gewinnausschüttungen zu vermeiden.

So tritt das körperschaftliche Schachtelprivileg bei einem Mindestanteil von 10 % ein. Das bedeutet, dass die Dividendeneinkünfte nicht der Körperschaftssteuer unterliegen. Der Dividendenempfänger bzw. Veräußerer darf allerdings keine natürliche Person sein. Das gewerbesteuerliche Schachtelprivileg hingegen steht jedem Gewerbebetrieb zu, der Dividenden aus einer anderen Kapitalgesellschaft bezieht, allerdings ist hier eine Mindestbeteiligung von 15 % zu Jahresbeginn erforderlich, wenn dies im Doppelbesteuerungsabkommen nicht anders vereinbart wurde.

 

Stille und offene Teilhaber

Weiterhin muss neben den Anteilshöhen zudem auch zwischen offenen und stillen Beteiligungen unterschieden werden. Wie die Bezeichnung vermuten lässt, geht es bei diesem Begriff um die Kenntnis Dritter über die Teilhabe. Eine offene Teilhabe bezeichnet eine Teilhabe, die aus dem Handelsregistereintrag und aus dem Jahresabschluss ersichtlich ist. Die meisten Gründungsmitglieder einer Gesellschaft führen eine offene Beteiligung. Eine stille Beteiligung hingegen ist nicht im Handelsregister verzeichnet und auch nicht aus dem Jahresabschluss ersichtlich.

Es gibt verschiedene Vorzüge einer stillen Beteiligung für Unternehmen und Teilhaber, allerdings kann eine solche für das Unternehmen auch Nachteile haben.

 

Direkte und indirekte Beteiligung

Anteilseigner werden nicht nur durch den prozentualen Anteil am Unternehmen und durch die Kenntnis Dritter der Teilhabe unterschieden, sondern auch durch die Direktheit der Beteiligung.

Eine direkte Beteiligung liegt im häufigsten Falle vor: hier erwirbt ein Investor Unternehmensanteile und wird nicht nur zum Miteigentümer, sondern auch zum Gesellschafter der GmbH. Eine direkte Beteiligung an einer GmbH ist für den Investor auch immer mit einem Risiko verbunden (s. unten). Im Normalfall wird jedoch das investierte Kapital am Ende des Beteiligungszeitraums durch einen Exit an den Investor zurückgeführt.

Bei einer indirekten Beteiligung kauft der Investor die Geschäftsanteile nicht direkt, sondern beispielsweise über einen Treuhänder. Der Investor wird weder Miteigentümer noch Gesellschafter, sondern Treugeber des Unternehmens. Eine indirekte Teilhabe kann auch in Form einer Unterbeteiligung erfolgen. Die Unterbeteiligung ist der stillen Gesellschaft nicht unähnlich; Vertragspartner ist hier allerdings nicht die Gesellschaft selbst, sondern ein Gesellschafter.

 

Anteile kaufen, verkaufen und übertragen

Nach § 15 GmbHG sind Geschäftsanteile an einer GmbH grundsätzlich immer vererbbar und frei veräußerlich. Falls ein Anteilseigner aus der Gesellschaft aussteigen möchte, kann er ohne weiteres seine Anteile an Dritte übertragen, die Interesse an der Beteiligung haben. Die Übergabe der Anteile muss durch einen Notar beurkundet werden. Die freie Übertragbarkeit von Geschäftsanteilen kann allerdings auch zum Nachteil der Gesellschafter sein, da diese nach Übergabe mit einem neuen Gesellschafter zusammenarbeiten müssen, ob das Verhältnis nun harmonisch ablaufen mag oder nicht. Ein neuer Gesellschafter hat mit der Übertragung der Anteile Rechtsanspruch darauf, in die Gesellschafterliste aufgenommen zu werden, die beim Handelsregister einzureichen ist.

Die freie Übertragbarkeit kann im Gesellschaftsvertrag bereits bei Gründung einer GmbH geregelt werden, denn diese ist zwar im Gesetz vorgesehen, muss jedoch nicht zwingend nach § 15 Abs. 1 GmbHG ausgeführt bzw. im Vertrag inkludiert werden. Wird eine besondere Regelung dieser Übertragbarkeit gewünscht, kann dieser Paragraph einvernehmlich geändert und “entschärft” werden, damit die Gesellschafter nicht von einem plötzlichen Wechsel überrascht werden. Durch eine Satzungsänderung kann festgelegt werden, dass eine Übertragung der Geschäftsanteile von der Zustimmung der Gesellschafterversammlung, einer qualifizierten Mehrheit oder der Geschäftsführung abhängig gemacht wird.

Eine solche Vinkulierung im Gesellschaftsvertrag gehört mittlerweile zum Regelfall. Ein kompletter Ausschluss der Übertragbarkeit oder eine Einschränkung auf beispielsweise die Familienzugehörigkeit, die Kompetenz oder auch bereits vorhandene Anteile ist vertraglich ebenso möglich. Dies gilt jedoch nicht im Todesfall eines Gesellschafters: Nach § 15 Abs. 1 GmbHG geht der Anteil eines Teilhabers im Todesfall auf dessen Erben über. Die Übertragung durch Vererbung kann in der Satzung nicht ausgeschlossen werden. Lesen Sie hier mehr zu den Besonderheiten beim Kauf von Geschäftsanteilen.

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Verkauf eines GmbH-Anteils: Steuerlasten

Die Steuern, die bei Veräußerung von Geschäftsanteilen anfallen, sind je nach Höhe und Dauer der Beteiligung unterschiedlich. Ebenso müssen Erben oder Empfänger einer Schenkung darauf achten, welche Steuern greifen.

Wurde vor der Modernisierung des GmbH-Gesetzes noch explizit darauf geachtet, wie hoch die Beteiligungsquote des Schenkers, Verstorbenen oder Verkäufers innerhalb der letzten fünf Jahre war, werden seit 2009 verkaufte Geschäftsanteile nach § 20 Abs. 2 Nr. 1 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen versteuert. Der Veräußerungsgewinn ergibt sich aus dem Verkaufspreis abzüglich der Anschaffungskosten (Stammkapital, früherer Kauf der Anteile) und werden mit Einkommenssteuer (25%ig) nach § 32 d EStG versteuert. Weiterhin kommen der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer noch hinzu.

Außerdem wird bei der Besteuerung der sogenannte Sparerpauschbetrag berücksichtigt; für Singles beläuft sich dieser auf 801 Euro, bei Ehepaaren auf 1602 Euro jährlich. Wessen Kapitaleinkünfte unter diesem Betrag liegen, der muss keine Steuern zahlen.

 

Risiken einer GmbH-Beteiligung

Bei der Beteiligung an einer GmbH bzw. dem Kauf von Anteilen an einer solchen gibt es immer Risiken:

  • Grundsätzlich haftet jeder Gesellschafter mit seiner Kapitaleinlage. Im Falle einer Insolvenz ist somit die Einlage verloren. Falls die Insolvenz bereits vor der kompletten Einzahlung des Stammkapitals eintreten sollte, haften die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen.
  • Die Übertragung eines Geschäftsanteils muss immer notariell bekundet werden, ansonsten riskieren Käufer und Verkäufer, dass das gesamte Geschäft für nichtig erklärt wird.
  • Vor dem Kauf sollte der Gesellschaftsvertrag auf eventuelle Einschränkungen überprüft werden, damit beim Versuch der Veräußerung keine bösen Überraschungen eintreten können, beispielsweise weil Anteile nur unter bestimmten Bedingungen veräußert werden dürfen.

 

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