Selbständigkeit von A bis Z: Tipps für Gründer

aktualisiert am 2. September 2019 18 Minuten zu lesen

Ihnen schwebt eine Existenzgründung vor? In diesem Artikel finden Sie zahlreiche Tipps, die Ihnen den Weg in die Selbständigkeit erleichtern – von der Planung über die Gründungsformalitäten bis hin zur Kick-off-Phase nach der Gründung.

  1. Die 10 Stationen Ihrer Gründung: Checkliste

    1. Geschäftsidee entwickeln      <<      Sie befinden sich in Schritt 1
    2. Beratung und Vorbereitung
    3. Rechtsform auswählen
    4. Namensprüfung durch IHK
    5. Beurkundung beim Notar
    6. Eröffnung des Geschäftskontos
    7. Handelsregistereintragung
    8. Gewerbeanmeldung
    9. Anmeldung beim Finanzamt
    10. Erste Schritte als Unternehmer

Zahlreiche Existenzgründer wagen jedes Jahr den Schritt in die Selbständigkeit. Manche starten mit einer tollen, innovativen Geschäftsidee, andere versuchen es mit einem bereits bestehenden Konzept – vielleicht sogar mit Franchising. Doch damit Sie diesen ersten Schritt überhaupt machen können, ist eine gute Vorbereitung das A und O. Ohne eine Idee und ohne Planung kann eine Gründung durchaus risikoreich werden. Deshalb sollten Sie als Gründer darauf achten, dass Sie viel Zeit in eine gute Planung stecken und Beratungsangebote wahrnehmen. Denn was mit der Idee beginnt, kann nur mittels guter Planung langfristig erfolgreich werden: Ihre Selbständigkeit.

Der Weg in die Selbständigkeit
Die vorbereitende Phase Ihrer Selbständigkeit besteht aus der Ideenfindung, der Planung sowie der Finanzierung. In dieser Zeit bauen Sie sich das Fundament, auf dem Ihr Unternehmen zukünftig stehen wird. Die Vorbereitung ist nicht weniger wichtig als die spätere operative Phase, in der die tatsächliche Gründung und das Wachstum Ihres Unternehmens stattfindet. In dieser werden Sie aktiv, öffnen die Türen Ihres Betriebs und haben möglicherweise bereits Ideen zur Expansion. Als Existenzgründer werden Sie nach und nach alle Stufen von der Idee über die Planung und Finanzierung bis hin zum Gründen und Wachsen erklimmen. In diesem Artikel finden Sie wertvolle Tipps, wie Ihnen dies gelingt.

 

Selbständigkeit planen: Die Vorbereitungsphase

Die Vorbereitungsphase ist die wichtigste für Ihre Gründung, da auf dieser Planung später die gesamten Prozesse in Ihrem Unternehmen aufbauen. Sie sollten sich daher ausreichend Zeit lassen, um Ihre Geschäftsidee zu entwickeln und weitere Vorbereitungen zu treffen:

Potenzial der Geschäftsidee prüfen

Mit einem kostenfreien Tool wie Canvanizer können Sie Ihre Geschäftsidee genau unter die Lupe nehmen und Schwachstellen, Chancen, etc. besser erkennen. Im Zuge der Überprüfung stellen Sie sich Fragen wie “Was macht mein Produkt/meine Dienstleistung einzigartig?” oder “Was wollen und mögen Kunden und was biete ich?”. So können Sie kontrollieren, ob Ihre Idee das Potential zum Erfolg hat. Wenn Sie keine eigene Idee mitbringen, steht Ihnen die Möglichkeit des Franchising offen. Als Franchise-Nehmer gründen Sie eine Zweigstelle eines bereits bestehenden Unternehmens und können so auf Erfahrung und Erfolg aufbauen. Des Weiteren haben Sie die Möglichkeiten, durch Geschäftsübernahme oder Unternehmensnachfolge zu gründen.

Einige interessante Geschäftsideen finden Sie weiterhin auch im Business-Wegweiser von firma.de im Überblick.

Gründungssituation identifizieren

Möchten Sie sich nebenberuflich selbständig machen, etwa als Neubeginn nach der Elternzeit oder um mit einer nebenberuflichen Gründung die Selbständigkeit erst einmal “auszuprobieren”? Oder aus dem Studium heraus gründen? Mehr und mehr Jungunternehmer kommen mittlerweile direkt von der Universität. Eine Selbständigkeit kann auch aus der Arbeitslosigkeit heraus gelingen, der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit kann Ihnen dabei helfen. Wie Sie selbst die schwierigsten Startbedingungen meistern, erfahren Sie im Artikel zum Thema Gründungssituationen.

Unterstützung suchen

Wer bietet Ihnen Unterstützung in Sachen Know-how und Kapital? Lesen Sie Fachliteratur, besuchen Sie Workshops, Seminare und Messen, tauschen Sie sich mit anderen Gründern aus. So erhalten Sie Eindrücke und Berichte aus erster Hand, die Ihnen bei Ihrem Vorhaben weiterhelfen können. Frauen aufgepasst: Es gibt mittlerweile auch Gründer-Seminare und -Workshops konkret für Gründerinnen und Unternehmerinnen, die von erfolgreichen Fempreneurs geleitet werden.

Sie suchen einen starken Partner, der Ihnen die Bürokratieschritte der Gründung abnimmt? Mit unseren Gründungspaketen können Sie unkompliziert, schnell und bürokratiefrei gründen!

Businessplan aufstellen

Zu jeder Gründung gehört ein umfassender und professioneller Businessplan. Dieser ist insbesondere dann relevant, wenn Sie zu Beginn Ihrer Selbständigkeit auf Fremdkapital angewiesen sind.

Folgende Punkte sollten darin in jedem Fall enthalten sein:

  • Executive Summary: Eine aussagekräftige Zusammenfassung des Businessplans
    Idee und Zielgruppe: Bringen Sie Ihre Geschäftsidee auf den Punkt
  • Markt und Wettbewerb: Eine umfassende Marktanalyse inkl. Prognose für Wachstum, Wettbewerbsanalyse, ggf. Markteintrittsbarrieren
  • Ziele: Ihre Vision. Meilensteine, die Sie erreichen wollen; ein klares Unternehmensziel
  • Strategie: Alleinstellungsmerkmal (USP) und Positionierung
  • Marketing: Produkt, Preis, Vertrieb, Budget und Werbung
  • Recht und Steuern: Rechtsform, Unternehmensbezeichnung, Steuern
  • Organisation: Management und Personal
  • Finanzen: Finanzplan, Kapitalbedarf und ggf. Finanzierung
  • SWOT-Analyse: Chancen, Stärken und Gefahren, Schwächen analysieren

 

Für eine Rechtsform entscheiden

Informieren Sie sich frühzeitig über die möglichen Rechtsformen. Eine Rechtsform ist das rechtliche Fundament, auf dem Sie Ihr Unternehmen aufbauen. Rechtsformen unterscheiden sich bezüglich Haftung, Stammkapital, Anmeldung und Steuern, aber auch durch die Anzahl der Gründer. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, die für Sie optimale Rechtsform zu finden. So müssen Sie überlegen, wie viel Kapital Sie einbringen können/wollen, ob Sie alleine gründen oder zu mehreren Personen oder ob Sie ein Unternehmen mit beschränkter Haftung (z. B. GmbH, UG) gründen oder nicht (z. B. GbR oder Einzelunternehmen). Die Wahl der Rechtsform stellt sich auch für Freiberufler, die mit anderen Freiberuflern gründen möchten: möglich ist unter Anderem eine Freiberufler-GbR oder eine Partnerschaftsgesellschaft (PartG).

Welche Rechtsformen es gibt, erfahren Sie im Übersichts-Artikel “Welche Rechtsformen gibt es?”.

Finanzierungsmöglichkeiten abwägen

Sind Sie auf fremdes Kapital angewiesen, sollten Sie sich ausgiebig über Ihre Möglichkeiten informieren und dann mittels eines professionellen Businessplans Ihre Kapitalgeber überzeugen. Nur, wenn der Businessplan überzeugen kann und alle nötigen Punkte enthält, haben Sie eine Chance auf eine Finanzierung. Bedenken Sie jedoch, dass Sie das Wichtigste im Businessplan sind: Durch eine positive und professionelle Präsentation Ihres Unternehmens in Planung können Sie möglicherweise kleinere Defizite im Businessplan wett machen. Alternativ zur Finanzierung durch Banken oder Kreditinstitute gibt es außerdem die Möglichkeit, durch Crowdfunding oder mittels eines Business Angels an Kapital zu gelangen.

Welche Möglichkeiten der Förderung Sie als Gründer beanspruchen können, erfahren Sie im Artikel zum Thema.

 

Business gründen: Gründungsformalitäten und Anmeldungen

Nach der Vorbereitungsphase wird es ernst: Denn nun müssen Sie sich um Behördengänge und Anmeldungen sowie das Ausfüllen von Formularen kümmern, um Ihre Gründung zu vervollständigen. Was Sie zu Beginn Ihrer Selbständigkeit beachten müssen und welche Anmeldungen Sie benötigen, finden Sie hier zusammengefasst in einem kurzen Behördenwegweiser:

Genehmigungen rechtzeitig einholen

Je nach Branche und Tätigkeit benötigen Sie Genehmigungen und/oder eine Gewerbeerlaubnis. Für viele Handwerksberufe besteht zudem die Meisterpflicht. Informieren Sie sich bei der für Sie zuständigen IHK/HWK, welche Anforderungen an Sie gestellt werden.

Unternehmen ins Handelsregister eintragen lassen

Entscheiden Sie sich dafür, eine GmbH, oHG, AG, UG oder als e.K. zu gründen, benötigen Sie einen Handelsregistereintrag. Dieser erfolgt in der Regel noch vor der Gewerbeanmeldung, da Sie den Auszug und die Handelsregisternummer für die Gewerbeanmeldung benötigen. Für Einzelunternehmen, Freiberufler oder GbRs entfällt die Handelsregistereintragung.

Weiterführende Informationen zum Thema Handelsregister können Sie im Artikel zum Thema nachlesen.

Notartermin und Geschäftskonto

Neben den erwähnten Behördengängen müssen Sie je nach gewählter Rechtsform eine Beurkundung Ihrer Gründung beim Notar vornehmen. Dieser Notartermin findet idealerweise statt, bevor Sie Ihr Geschäftskonto bei der Bank eröffnen.

Gewerbeanmeldung vornehmen

Für fast alle Gründer ist der Gang zum Gewerbeamt Pflicht. Mit der Gewerbeanmeldung registrieren Sie offiziell und legitim Ihr Unternehmen sowie Ihre gewerbliche Tätigkeit. Sind Sie jedoch Freiberufler und möchten sich selbständig machen, benötigen Sie keine Gewerbeanmeldung. Dann ist es ausreichend, sich beim Finanzamt zur steuerlichen Erfassung zu melden. Auch eine GbR benötigt keine Gewerbeanmeldung, sofern Sie sie mit weiteren Freiberuflern gründen.

Alle wichtigen Informationen zur Gewerbeameldung können Sie an anderer Stelle im Blog nachlesen.

Meldung ans Finanzamt

Nach der Gewerbeanmeldung erhalten Sie automatisch Post vom Finanzamt zur steuerlichen Erfassung. Freiberufler wenden sich ohne den Umweg über das Gewerbeamt direkt an das Finanzamt. Mit dem Bogen zur steuerlichen Erfassung können Sie auch gleich Ihre Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-IdNr.) beantragen und somit Rechnungen ins Ausland versenden. Auch wenn Sie die USt-IdNr. nicht sofort benötigen, sollten Sie diese direkt mit beantragen, denn sie ist kostenlos – eine Beantragung zu einem späteren Zeitpunkt kostet eine Bearbeitungsgebühr.

Mehr zum Finanzamtfragebogen und wie Sie diesen richtig ausfüllen, erfahren Sie im Artikel zum Thema.

Anmeldung bei der IHK bzw. HWK

Verpflichtend für alle Gründer (außer Freiberufler) ist die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer bzw. der Handwerkskammer. IHK bzw. HWK melden sich nach der Gewerbeanmeldung in der Regel automatisch bei Ihnen.

Mitgliedschaft bei der Berufsgenossenschaft

Innerhalb einer Woche nach Gründung sind Sie als Existenzgründer dazu verpflichtet, sich bei der für Sie zuständigen Berufsgenossenschaft anzumelden. Berufsgenossenschaften sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Auch Freiberufler, die beruflich einem besonderen Unfallrisiko ausgesetzt sind, sind zur Anmeldung verpflichtet (beispielsweise Krankenpfleger, Physiotherapeuten, etc.). Je nach Branche ist eine bestimmte Berufsgenossenschaft zuständig – informieren Sie sich vorzeitig, bei welcher Sie sich anmelden müssen.

Mitgliedschaft bei einem Bundesverband in Betracht ziehen

Die Mitgliedschaft in einem Bundesverband ist für Selbständige immer zu empfehlen, auch wenn diese freiwillig ist. Ein Bundesverband setzt sich in der Öffentlichkeit sowie Politik für Ihre Interessen sowie die der Branche ein.

Weitere Anmeldungen für Freiberufler

Speziell für Freiberufler sind je nach Branche und Beruf weitere Anmeldungen vorzunehmen. Bitte informieren Sie sich bei der für Sie zuständigen IHK/HWK:

  • Künstlersozialkasse (Künstler, Publizisten)
  • Standeskammer (Anwälte, Architekten, Steuerberater)
  • Partnerschaftsregister (bei Gründung einer Partnerschaftsgesellschaft)

Weitere Sonderfälle:

  • Genehmigung vom Ordnungsamt: z. B. für den Betrieb von Gewinnspielgeräten, im Bewachungsgewerbe, für Makler und das Reisegewerbe und für Gaststättenerlaubnis sowie Schanklizenz
  • Gaststätten: Unternehmer, die beruflich mit Lebensmitteln zu tun haben, benötigen ein Gesundheitszeugnis (Gesundheitsamt) sowie eine IHK-Schulung
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Wachsen: Marketing, Online-Auftritt und Corporate Identity

Die Anmeldungen und Formalitäten sind geschafft. Jetzt heißt es: mit Webseite, Marketing und Corporate Identity punkten und kreativ werden.

Ihre Unternehmenswebseite

Der Online-Auftritt von Unternehmen wird immer wichtiger. Die Produkte bzw. Dienstleistungen sollten online perfekt präsentiert sein. Übersichtlichkeit und Funktionalität sind hier das A und O. Verbindliche Vorgaben gibt es hier nur wenige, jedoch müssen Sie unbedingt über ein gültiges Impressum verfügen:

  • Vollständige Firma inkl. Rechtsformzusatz – bei Einzelunternehmen oder Freiberuflern der vollständige Name des Unternehmers
  • Anschrift (Postfach ist nicht ausreichend)
  • Telefonnummer, E-Mail-Adresse (klickbar)
  • Aufsichtsbehörde (sofern behördliche Zulassung für die Tätigkeit vorgeschrieben ist)
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (sofern vorhanden)
  • Handelsregisternummer sowie zuständiges Amtsgericht (sofern im HRG eingetragen)
  • Bei juristischen Personen (GmbH, UG, AG) müssen zusätzlich Geschäftsführer oder Vorstand angegeben sein
  • Impressum muss von jeder URL mit maximal zwei Klicks erreichbar sein
  • Link auf die Startseite

 

Ihr Marketingkonzept

Kunden gewinnen und an Ihr Unternehmen zu binden ist das Ziel von Marketing. Mit einer genauen Analyse Ihrer Kunden und Zielgruppe können Sie ein individuelles Marketingkonzept erstellen. Um dorthin zu gelangen, sollten Sie sich einige Fragen stellen:

  • Welche Ziele möchten Sie mit dem Marketing erreichen?
  • Wer ist Ihre Zielgruppe?
  • Wer ist Ihre Konkurrenz und wie sehen deren Stärken und Schwächen aus?
  • Wie können Sie eine langfristige Kundenbindung erzielen?
  • Wie positionieren Sie sich so, dass Sie Ihre Marketing-Ziele erreichen und welche Maßnahmen sind dafür notwendig?

Welche Marketing-Kanäle möchten Sie für Ihr Unternehmen verwenden? Klassische, “traditionelle” Werbung oder Online-Marketing? Bei klassischer Werbung wie beispielsweise Radiowerbung, Annoncen o. Ä. müssen Sie auf Streuverluste achten. Als “Streuverlust” werden Personen bezeichnet, die zwar von Ihrer Werbung erreicht werden, allerdings nicht Ihrer Zielgruppe angehören. Dasselbe gilt generell auch für Online-Marketing, jedoch haben Sie hier die Möglichkeiten, gezielt Personen anzusprechen und zusätzlich Tools zu verwenden, die exakt Ihre Zielgruppe bewerben

Corporate Identity

Einheitlichkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Ihr Unternehmen, Ihre Webseitengestaltung und Ihre Kommunikation nach außen sollte einheitlich gestaltet sein. Corporate Communication und Corporate Design verleihen Ihrem Unternehmen einen Wiedererkennungswert. Um Ihre Idee, Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung vor der Verwendung durch Unbefugte zu schützen, wird empfohlen, sich die Markenrechte zu sichern.

 

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