Welche Fördermittel gibt es in Deutschland für Gründer?

aktualisiert am 14. Februar 2019 31 Minuten zu lesen
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Fördermittel für Gründer sind vielfältig und haben verschiedenste Voraussetzungen. Experte Stefan Gerber hat in diesem Fachbeitrag den Weg zur Gründungsförderung für Sie erklärt und führt Sie Schritt für Schritt durch den Prozess.

 

Ausblick und Kurzinhalte

  • Übersicht der verschiedenen Fördermittel vor und nach der Gründung
  • Die wichtigsten Meilensteine, um an Fördermittel zu gelangen
  • Alternative Finanzierung, wenn die Bank keinen Kredit gibt

 

Fördermittel, Darlehen, Zuschüsse – Was ist was?

In Deutschland gibt es mittlerweile über 1.500 Förderprogramme, die der Staat vergibt. Fördermittel können in Form von Darlehen oder von Zuschüssen gewährt werden. Sie dienen als Subvention zur Erreichung von volkswirtschaftlichen oder politischen Zielen und werden vom Staat reguliert. Den Einstieg in die Thematik erleichtert Ihnen die kurze Begriffserklärung:

  • Zwischen Darlehen und Krediten bestehen nur geringe rechtliche Unterschiede. Daher werden die beiden Begriffe umgangssprachlich synonym gebraucht. In diesem Artikel wird ausschließlich der Begriff „Darlehen“ verwendet.
  • Bei einem Darlehen überlässt Ihnen der Darlehensgeber einen Geldbetrag vorübergehend zur Nutzung. In der Regel müssen Sie den kompletten Geldbetrag inklusive Zinsen zurück bezahlen.
  • Ein „Zuschuss“ ist ein Transfer, für den grundsätzlich keine Rückzahlung gefordert wird. Ich spreche hier gerne von „geschenktem Geld“.
Tipp: Nutzen Sie zunächst alle Möglichkeiten, um Zuschüsse für Ihr Vorhaben zu erhalten, bevor Sie Darlehen beantragen. Durch Zuschüsse erhalten Sie die ersten finanziellen Mittel, um Ihr Vorhaben zu realisieren und nicht zurückgezahlt werden müssen.

1. Wer vergibt Fördermittel?

Darlehen und Zuschüsse werden von verschiedenen Instanzen vergeben. Nicht nur der Staat kommt hier in Frage. Auch die EU und die einzelnen Bundesländer vergeben verschiedene Darlehen. Der bekannteste Darlehens- und Zuschussgeber ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Für das Bundesland Nordrhein-Westfalen dient auch die NRW-Bank als Ansprechpartner. In Niedersachsen wäre dies die N-Bank.

Auch vereinzelte Gemeinden bieten Gründern und Jungunternehmern verschiedene Förderprogramme an.

Fördermittel-Übersicht
Abb. 1

 

Die Landesförderinstitute bieten in Kooperation mit der KfW Förderprogramme an, die durch die Bündelung von Bundes- und Landesförderung mit günstigen Konditionen für kleine und mittlere Unternehmen ausgestaltet sind.

Darüber hinaus gibt es in fast jedem Bundesland so genannte Regionalförderprogramme, mit denen beispielsweise die Ansiedlung neuer Unternehmen in solchen Regionen unterstützt wird, in denen es zu wenige Arbeitsplätze gibt. Erkundigen Sie sich beim Wirtschaftsförderungsamt Ihrer Stadt oder Ihrer Gemeinde, bei den Industrie- und Handels- oder den Handwerkskammern oder bei einem firma.de Berater Ihrer Region nach solchen Programmen.

Gründungsfinanzierung
Abb. 2

 

Merke:

  • Gewährung von Zuschüssen ausnutzen – Stichwort „geschenktes Geld“
  • Vor Beantragung eines Kredites bei Ihrer Hausbank prüfen, ob es nicht günstigere Darlehen aus der EU, dem Bund, den Ländern oder sogar der Gemeinde gibt
  • Experten hinzuziehen, damit Sie das bestmögliche Ergebnis erzielen und sich nicht im Fördermitteldschungel verirren
  • Selbstbewusstes Auftreten
Tipp: Existenzgründungen und Unternehmensfestigungen können durch öffentliche Fördermittel finanziert werden. Um den individuell richtigen Finanzierungsmix zu finden, empfehle ich dringend die Inanspruchnahme eines Finanzexperten.

2. Die wichtigsten Förderprogramme in der Übersicht

Zuschüsse und Darlehen stehen nicht nur Gründern VOR Ihrer Gründung zur Verfügung. Auch Jungunternehmer können noch NACH erfolgter Gründung von Zuschüssen und Darlehen profitieren.

Die wichtigsten Zuschüsse und Darlehen bundesweit:

  • Gründungszuschuss
  • Einstiegsgeld
  • ERP-Kapital für Gründung
  • ERP-Gründerkredit – Startgeld
  • ERP-Gründerkredit – Universell
  • ERP-Regionalförderprogramm
  • Gründercoaching Deutschland
  • Beratungs- und Schulungsförderung
  • Investitionszuschuss Wagniskapital
  • Beschäftigungsförderung

Im Bundesland Nordrhein Westfalen gibt es zudem noch folgende Förderprogramme:

  • Beratungsprogramm Wirtschaft NRW
  • Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank NRW
  • Potenzialberatung NRW
  • NRW-Bank Gründungskredit
  • NRW-Bank Universalkredit
  • NRW-EU Mikrodarlehen

Diese Übersicht ist keine abschließende Aufzählung. Es gibt noch zahlreiche weitere Förderprogramme. Hier sind lediglich die gängigsten Darlehen und Zuschüsse aufgelistet.

Ich möchte mit dem 1. Kapitel deutlich machen, wie wichtig die Inanspruchnahme eines Experten ist, damit Sie für Ihre Vorhaben die besten Fördermittel auswählen und natürlich auch erhalten. Wie Sie an die Fördermittel gelangen können, zeige ich Ihnen im nächsten Kapitel.

Hausbankprinzip

Die Fördermittelbanken haben keine eigenen Filialen, zu denen Sie gehen können. Daher arbeiten die Förderinstitute nach dem Hausbankprinzip.

Vereinfacht dargestellt bedeutet dies, dass Sie mit Ihrem Vorhaben zu Ihrer Hausbank gehen. Dort tragen Sie Ihr Konzept vor und besprechen mit Ihrem Bankberater die Beantragung der Fördermittel. Dieser prüft Ihre Unterlagen und erstellt dann im Anschluss den Antrag an das Förderinstitut, zum Beispiel die KfW Bank. Er gibt zudem eine Empfehlung über Ihr Vorhaben ab. Die KfW Bank prüft ihrerseits ebenso die Unterlagen und trifft dann eine Entscheidung. Dieser Prozess kann durchaus sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen.

Merke: Rechtzeitige Beantragung der Fördermittel ist enorm wichtig, da der Prüfungsprozess lange Zeit in Anspruch nimmt.

Soweit die Theorie, in der Praxis verläuft der Ablauf jedoch meist anders.

Oftmals werden Sie in entsprechender Fachliteratur lesen, dass Ihre Hausbank Ihr erster Ansprechpartner sein sollte, wenn Sie Fördermittel beantragen möchten. Gewiss bietet diese Praxis einige Vorteile. Ihre Hausbank kennt Ihre Kontoführung, Sie haben dort in der Regel einen festen Ansprechpartner, der Sie bereits persönlich kennen gelernt hat und so ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden konnte. Im Regelfall kennt Ihr Berater auch Ihr persönliches Umfeld. Aus diesen Vorteilen können auch schnell „teure“ Nachteile werden. Wenn ich Gründer zu Bankgesprächen begleite, mache ich leider immer wieder die Erfahrung, dass vor allem der vertraute Banker Ihnen die Fördermittel schlecht redet und Ihnen einen Kredit Ihrer Hausbank schmackhaft macht.

Die Fördermittel haben jedoch gegenüber den Krediten der Hausbank zwei entscheidende Vorteile:

  • Die Zinsen liegen gut zwei bis zweieinhalb Prozentpunkte niedriger als die Kredite der Hausbank.
  • Die Förderinstitute bieten je nach Programm und Höhe eine tilgungsfreie Zeit an. Vor allem für Gründer und Jungunternehmer ist dies ein ganz entscheidender Vorteil gegenüber „normalen“ Krediten. Sie haben zwei Jahre Zeit, Ihr Unternehmen aufzubauen und müssen nicht vom ersten Monat an hohe Tilgungen bezahlen.

Ein Gründer hat mich leider zu spät mit in den Gründungsprozess eingebunden. So hatte er bereits statt eines Förderdarlehens einen Kredit seiner Hausbank in Anspruch genommen. Mit dem Kredit konnte er natürlich sein Café zunächst einrichten. Der Kredit wurde aber zu niedrig angesetzt. Die Anlaufzeit wurde nicht berücksichtigt. Eine Anschlussfinanzierung lehnte die Hausbank ab. Die Raten wurden mit Zinsen und Tilgung ab dem ersten Monat fällig. Das Café wurde letztendlich noch rechtzeitig geschlossen, um einen größeren Schuldenberg zu vermeiden. Zuvor ließ sich die Bank wenigstens noch einmal darauf ein, die Raten zu verringern und dafür die Laufzeit zu erhöhen. Mit einem Förderdarlehen hätte er sein Unternehmen in Ruhe innerhalb von zwei Jahren aufbauen können, um im Anschluss die Tilgung in Angriff zu nehmen.

Tipp: Bleiben Sie konsequent und lassen Sie sich nicht von Ihrem Vorhaben abbringen. Banker versuchen immer zunächst, Ihre hauseigenen Kredite zu verkaufen, da die Banken an den Fördermitteln nicht viel verdienen. Ihnen kann es aber leicht die Existenz gefährden.

Eine Ausnahme vom Hausbankprinzip ist die Gewährung von Zuschüssen. So gibt es aktuell Zuschüsse, die direkt bei der KfW beantragt und auch direkt von der KfW an die Empfänger ausgezahlt werden.

Hausbank-Prinzip
Abb. 3

 

3. Voraussetzungen des Antragstellers

Zinsgünstige Darlehen, öffentliche Bürgschaften, Kapitalbeteiligungen, und weitere Maßnahmen erleichtern den Start in die Selbständigkeit und erhöhen die Überlebenschancen einer Existenzgründung oder eines jungen Unternehmens. Hierbei sind jedoch einige grundsätzliche Voraussetzungen zu beachten:

  • Existenzgründer müssen sowohl fachlich als auch kaufmännisch ausreichend qualifiziert sein.
  • Das Vorhaben muss Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg haben. Es muss nach einer gewissen Anlaufzeit eine dauerhafte Lebensgrundlage bieten.
  • Die Finanzierungsanträge müssen VOR Beginn der beabsichtigten Investitionsmaßnahmen eingereicht werden.
  • Die öffentlichen Fördermittel müssen nach banküblichen Gesichtspunkten abgesichert werden. (Ausnahmen beachten!)
  • Ein Rechtsanspruch auf Gewährung von Fördermitteln und Bürgschaften besteht nicht.

 

 

4. Meilensteine zum Erfolg – So erhalten Sie Ihre Fördermittel

Meilenstein – Businessplan

Ein gut ausgearbeiteter Businessplan ist der Türöffner für jegliche Form von Fördermitteln.

Ich rate Ihnen, den Businessplan gemeinsam mit einem Experten anzufertigen. Nicht nur die Banken werden einen Businessplan von Ihnen verlangen. Auch Arbeitsämter und Jobcenter verlangen bei der Beantragung des Gründungszuschusses oder der Einstiegsgeldes einen Businessplan.

Entscheidend ist hier der Finanzteil. Die Rentabilitätsvorschau, der Kapitalbedarf und die Finanzierung stellen dabei die wichtigsten Positionen dar.

Rentabilitätsvorschau – Lohnt sich der Aufwand?

Die Gründung einer selbständigen Existenz lohnt sich nur dann, wenn sie auf Dauer ausreichend Gewinn verspricht, also rentabel ist. Um zu beurteilen, ob Sie als Selbständiger tatsächlich auf Ihre Kosten kommen, müssen Sie vor der Gründung unbedingt die folgenden Fragen beantworten:

  • Wie viel Geld muss bzw. will ich mit meiner Selbständigkeit verdienen?
  • Ermitteln Sie Ihre jährlichen privaten Ausgaben:
    • Ziehen Sie von Ihren Ausgaben alle Einnahmen (Einkommen des Partners, Mieteinnahmen, Gründungszuschuss) ab und Sie erhalten die Ausgaben, die Sie auf jeden Fall erwirtschaften müssen. (Unternehmerlohn)
  • Wird mein Unternehmen genug Geld erwirtschaften?
    • Betrachten Sie mindestens die ersten drei Geschäftsjahre. Das Ergebnis sollte Ihnen ermöglichen Ihren Unternehmerlohn zu decken und eine Reserve zu schaffen.
  • Erwartete Umsatzerlöse:
    • Schätzen Sie, wie viel Umsatz Sie in den nächsten Jahren machen werden. Orientieren Sie sich an den Umsatzzahlen Ihrer Branche.

 

Kapitalbedarf – Was soll der Spaß kosten?

Wie viel Startkapital ist für die Unternehmensgründung erforderlich? Überlegen Sie genau, denn eine gute Finanzierung ist die Basis für den erfolgreichen und sicheren Aufbau Ihres Unternehmens.

  • Wie viel Geld brauchen Sie langfristig?
  • Wie viel Geld brauchen Sie kurz- und mittelfristig?
  • Planen Sie für Unvorhergesehenes eine Reserve ein.
  • Rechnen Sie die Anlaufzeit ein.
  • Wie teuer ist die Gründung selbst?
Tipp: Berechnen Sie Ihre monatlichen Kosten. Diese rechnen Sie für mindestens sechs Monate in Ihren Kapitalbedarf mit ein. So können Sie nach erfolgter Gründung die ersten sechs Monate alle Kosten bezahlen, ohne einen Cent Umsatz machen zu müssen.

Finanzierung – Wer soll das bezahlen?

Nun kümmern Sie sich um die Finanzierung. Neben den Fördermitteln, die als Fremdkapital gelten, kommt natürlich auch Eigenkapital in Frage.

Merke: Je mehr Eigenkapital Sie haben, desto besser. 20% Eigenkapital sollten Sie mindestens mitbringen. Je höher Ihr Eigenkapital ist, umso höhere Beträge gewährt Ihnen die Bank.

Die Banken und Förderinstitute beurteilen hiermit Ihr Vertrauen in Ihre Vorhaben. Wer bereit ist, sein privates Vermögen mit dem geplanten Vorhaben zu riskieren, der unterstreicht damit seine Bereitschaft und Ernsthaftigkeit. Banken honorieren dies mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Ihrer Finanzierung.

Meilenstein – Bankgespräch

Durch das Hausbankprinzip müssen Sie die Fördermittel bei der Hausbank oder einem anderen Kreditinstitut beantragen. Aber: Nicht jeder hat dabei Erfolg. Wichtig ist nicht zuletzt ein gut vorbereitetes und richtig geführtes Gespräch mit Ihrem Banker. Mit der Checkliste zum Bankgespräch können Sie sich gemeinsam mit Ihrem Berater optimal vorbereiten.

Folgende Punkte sollten Sie dabei beachten:

  • Vorbereitung: Gehen Sie nicht unvorbereitet zur Bank. Je besser Sie vorbereitet sind, desto größer sind die Chancen.
  • Unterlagen vorab: Erkundigen Sie sich, ob und welche Unterlagen vor dem Gespräch eingereicht werden sollen.
  • Rentabilität darlegen: Überzeugen Sie Ihren Banker von der Rentabilität Ihres Unternehmens.
  • Berater mitnehmen: Nehmen Sie Ihren Berater ruhig mit, aber reden müssen Sie selbst.
  • Sicher auftreten: Treten Sie selbstbewusst und sicher auf. Überzeugen Sie Ihren Banker von Ihrer Idee und zeigen Sie ihm, dass Sie von Ihrem Konzept und Ihrem Erfolg überzeugt sind.
  • Fristen einhalten: Halten Sie Fristen unbedingt ein. Beachten Sie die langen Bearbeitungszeiten bei Ihrer Planung.
  • Fördermittel verlangen: Behalten Sie das Ziel des Gesprächs im Auge. Zunächst müssen Sie die Bank überzeugen, Ihr Vorhaben zu finanzieren. Dann suchen Sie nach der günstigsten Lösung. In der Regel werden die öffentlichen Fördermittel durch ein Hausbankdarlehen ergänzt.

Ebenfalls bewährt hat sich die genaue Kenntnis der zu beantragenden Fördermittel.

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Berater auf das Bankgespräch gut vorbereiten. Trainieren Sie ein selbstsicheres Auftreten und Überzeugungskraft durch Fachkompetenz. Dies erreichen Sie, indem Sie genau wissen was Sie möchten und wie Sie es erreichen wollen.

Das Bankgespräch kann man in 3 Phasen einteilen:

1. Phase: Sie stellen in der 1. Phase dem Banker Ihr Konzept nur kurz vor, übergeben die Unterlagen zur Sichtung und beantworten eventuell ein paar kurze Fragen des Bankers. Diese beziehen Praxisfall sich aber auf Allgemeinheiten.

2. Phase: Nach Sichtung der Unterlagen und der ersten Beurteilung des Bankers, werden Sie zu einem Gespräch eingeladen. Zu diesem Gespräch sollten Sie Ihren Berater an Ihrer Seite haben. Ihr Konzept wird beurteilt. Der Banker gibt eine erste Einschätzung dazu ab. Anschließend geht es um die Fragen der Finanzierung. Hier unterteilt die Bank in die Finanzierung der Investitionen, die Finanzierung der Betriebsmittel und die Einrichtung eines Kontokorrentrahmens.

Merke: Bank ist nicht gleich Bank. Jede Bank reagiert anders auf Ihr Vorhaben. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Gemeinsam mit Ihrem Berater werden Sie eine Bank finden, die Ihr Konzept unterstützt.

Der Schlüssel zum Erfolg im Bankgespräch heißt Offenheit. Durch offene Gespräche bauen Sie Vertrauen auf. Sprechen Sie daher auch kritische Punkte an. Die Bank bemerkt diese Punkte früher oder später sowieso. Wenn Sie diese Punkte jedoch vorher ansprechen, machen Sie deutlich, dass Sie sich auch mit kritischen Punkten bereits auseinandergesetzt haben.

3. Phase: Nachdem Sie die ersten beiden Phasen gemeistert haben, folgt noch die 3. Phase. In dieser Phase geht es um die Besicherung der Kredite. Welche Sicherheiten können Sie hinterlegen? Wie hoch ist die Haftungsfreistellung bei der Inanspruchnahme von Fördermitteln und kommt eventuell die Bürgschaftsbank als zusätzliche Sicherheit in Frage?

Die Praxis zeigt deutlich, dass jede Bank unterschiedlich reagiert. In einem Fall bin ich zunächst mit einer Gründerin bei zwei Banken gescheitert. Erst bei der dritten Bank, konnten wir erste Erfolge feiern. Die Gründe sind dabei ganz unterschiedlich. Meistens lehnen die Banken ein Vorhaben ab, ohne einen Grund dafür zu nennen. So hat man keine Chance auf eventuelle Nachbesserung und muss zwangsweise die nächste Bank anlaufen. In unserem Fall lehnte die erste Bank das geplante Vorhaben ab, da der Finanzierungsbedarf ZU KLEIN war. Mit dem Vorhaben würde die Bank kaum was verdienen, sagte uns der Banker in dem Gespräch. Die zweite Bank lehnte das Vorhaben ab, da sie sich in der Branche nicht auskannte und das Vorhaben damit als unsicher einstufte. Bei der dritten Bank konnten wir das Konzept endlich vorstellen und hier sind wir mittlerweile in der dritten Phase angelangt.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Hausbank nicht der einzige Ansprechpartner sein sollte. Es gilt, den Bankmarkt zu sondieren, um dann das Konzept nach und nach vorzustellen. Ihr Berater kann Ihnen dabei sehr wertvolle Tipps geben und Sie optimal unterstützen. Alleine ist dieser Weg nur schwer zu bestreiten.

Geld gegen Vertrauen

Sind Sie in der dritten Phase angelangt, geht es nur noch um die Besicherung des Darlehens. Jedes Kreditinstitut gibt nur dann ein Darlehen, wenn es sich sicher ist, das geliehene Geld auch zurück zu bekommen. Drei Faktoren bringen der Bank diese Gewissheit:

  • Das Erfolg versprechende Unternehmenskonzept
  • Eigenkapital
  • „Bewertbare“ Sicherheiten: Unterscheiden Sie Sicherheiten von „Unsicherheiten“.

Zu den „bewertbaren“ Sicherheiten zählen:

  • Immobilien
  • Sparguthaben, Sparbriefe, Festgelder
  • Lebensversicherungen
  • Forderungen
  • Wertpapiere
  • Bürgschaften
  • Sonstiges wie zum Beispiel KFZ, Maschinen, Warenlager

Eine sehr gute Möglichkeit, das Darlehen zu besichern, bieten die Bürgschaftsbanken der jeweiligen Bundesländer an. Dort erwerben Sie gegen eine Gebühr eine 80 %-ige Ausfallbürgschaft. So haben Sie bereits 80 % des Darlehens gesichert.

Bei folgenden Sicherheiten sollten Sie sehr vorsichtig sein:

  • Kapitallebensversicherungen
    • Mit Versicherungen, die der Altersvorsorge dienen, sollten Sie sehr vorsichtig umgehen. Im Falle eines Scheiterns, ist die Altersvorsorge, in die man meist viele Jahre eingezahlt hat, zunichte gemacht.
  • Bürgschaft
    • Von Bürgschaften von betriebsfremden Familienangehörigen oder Freunden ist abzuraten. Die emotionale Belastung ist enorm und führt nicht selten zu dauerhaften Zerwürfnissen.
  • Grundstücke
    • Grundstückssicherheiten werden in der Praxis nur als Grundschulden genommen. Die Grundschuld ist gläubigerfreundlicher als die Hypothek. Ein Betriebsgrundstück als Sicherheit ist meist dem privaten Wohngrundstück vorzuziehen.
  • Sicherungsübereignung
    • Maschinen, Waren oder Fahrzeuge können in Form einer Sicherungsübereignung der Bank zur Verfügung gestellt werden. Die Bank wird damit Eigentümerin. Die Nutzung erfolgt weiterhin durch Sie.
  • Abtretung von Forderungen
    • Wendet die Bank sich frühzeitig an den Kunden, um Forderungen einzutreiben, kann dieser abgeschreckt werden und sich dann einen neuen Lieferanten suchen.

 

Merke: Je weniger Sicherheiten man der Bank überlässt, desto größer ist der unternehmerische Spielraum. Die Verfügungsgewalt über Grundstück, Maschinen oder Waren verbleibt beim Unternehmer und geht im Fall eines Zahlungsverzugs nicht auf die Bank über. Sie müssen wissen, welche Risiken mit der zur Verfügung stehenden Sicherheit verbunden sind.

Ein sehr gutes Kombinationsangebot bietet die NRW-Bank mit dem Mittelstandskredit. Der zinsgünstige NRW-BANK.Mittelstandskredit kann bis zu einer Kredithöhe von 1.562.500 Euro mit einer 80 %-igen Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank NRW beantragt werden. Sicherlich gibt es auch in anderen Bundesländern diese Angebote. Ihr Berater hilft Ihnen gern bei der Suche.

 

5. Meilensteine zum Erfolg – Wenn die Bank NEIN sagt

Gründerinnen, Gründer und junge Unternehmer haben in der Regel Probleme, genügend Kapital für größere und risikoreichere Projekte „aufzutreiben“. Bei Neulingen auf dem Markt ist es schwierig, die Erfolgschancen zu beurteilen. Die Erfolgschancen auf öffentliche Fördermittel können Beteiligungsgesellschaften oder private Geldgeber deutlich erhöhen.

Beteiligungskapital

Finanzierungsphasen
Abb. 4

 

Private Geldgeber bieten Beteiligungskapital ohne die banküblichen Sicherheiten an: Auch bekannt als Risikokapital, Wagniskapital oder Venture Capital.

Beteiligungskapital ist nichts anderes als Eigenkapital, das dem Unternehmen von Beteiligungsgesellschaften oder außenstehenden Privatpersonen zur Verfügung gestellt wird. Was ein gutes Eigenkapital bewirkt, habe ich bereits erläutert.

Beteiligungskapital klingt sehr verlockend für Gründer, wenn die Bank ein Nein angedeutet hat. Jedoch eignet sich Beteiligungskapital nicht zur kurzfristigen Betriebsmittelfinanzierung.

In Deutschland gibt es weit über 200 Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Welche Gesellschaft für Sie in Frage kommt, kann Ihnen Ihr Berater beantworten.

Theoretisch in Frage kommen können:

  • Banken und Industrieunternehmen, aber auch private Finanziers. Sie übernehmen aber nur dann Beteiligungen, wenn hohe Renditen erwartet werden.
  • Die öffentlich geförderten mittelständischen Beteiligungsgesellschaften. Sie sind nicht in erster Linie gewinnorientiert und bieten Beteiligungen an, die speziell auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Gründungen zugeschnitten sind.
  • Die KfW Bankengruppe. Sie beteiligt sich an KMUs, außerdem an kleinen und mittleren Kapitalgesellschaften, die KMUs Beteiligungskapital zur Verfügung stellen.
  • Business Angels Network Deutschland (BAND). Bei den Business Angels handelt es sich um Privatpersonen oder Unternehmer, die nicht nur Beteiligungskapital zur Verfügung stellen, sondern Gründern auch mit Ihren Erfahrungen zur Seite stehen.

 

Mikrokreditfonds Deutschland

Der Mikrokreditfonds der Bundesregierung, aufgelegt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWI), hat innerhalb der letzten zwei Jahren mehr als 6.600 Mikrokredite mit einem Gesamtvolumen von knapp 40 Millionen Euro abgesichert. Die Planzahlen wurden um mehr als das Doppelte übertroffen. Damit noch mehr Unternehmer vom Mikrokreditfonds profitieren, startete am 16.01.2012 eine deutschlandweite Marketingkampagne mit dem Motto: „Mein Mikrokredit. Ich mach was draus!“

Mit dem Mikrokreditfonds Deutschland verbessert die Bundesregierung für Kleinstunternehmen und Gründungen den Zugang zu Kapital. Ziel des Fonds ist der Aufbau eines flächendeckenden Mikrokreditangebots in Deutschland.

Private Investoren

Geld leihen von Privat: Wenn man für einen Kredit nicht zu einer Bank gehen möchte, bietet es sich an, auf privatem Wege Geld einzusammeln. Hierbei helfen professionelle Plattformen, die genau zwei Parteien zusammenbringen:

  • Menschen, die Geld benötigen und nach einem günstigen Kredit zu fairen Zinsen suchen
  • Menschen, die Geld anlegen bzw. verleihen möchten und dabei eine gute Rendite erzielen möchten

Ein Kreditgeber bekommt im Schnitt höhere Zinsen als auf Sparbuch oder Tagesgeldkonto, der Kreditnehmer erhält Zugang zu Geld, das ihm traditionelle Banken womöglich verwehren würden. Hierbei besteht jedoch nicht das Ziel, eine Plattform für die zu bieten, die woanders keinen Kredit bekommen.

Tipp: Der Mikrokreditfonds und private Investoren sind nützliche Alternativen, wenn die Bank eine Finanzierung eventuell nicht gewährt. Dies bietet auch Gründern aus der Arbeitslosigkeit und sogar aus dem Hartz IV-Bezug die Chance der Selbständigkeit.

6. Zusammenfassung

In Deutschland gibt es über 1.500 verschiedene Fördermittel. Nur ein Finanzierungsexperte kann Ihnen helfen, einen erfolgreichen Weg durch diesen Dschungel zu finden. Gemeinsam erarbeiten Sie die Meilensteine, die zu Ihrem Erfolg führen.

  • Businessplan
  • Bankgespräch

Sie erstellen gemeinsam einen Finanzierungsmix, der zu Ihrem Konzept und Ihrer Person passt. Die Beantragung endet mit professioneller Hilfe nicht in einem Fiasko der Ablehnung, sondern führt dazu, dass Sie Ihren Traum der Selbständigkeit auch leben dürfen.

Checkliste Finanzierungsfehler

  • Fixkostenbelastung zu hoch
  • Übernahmepreis zu hoch (bei Betriebsübernahme)
  • Betriebsmittelbedarf unterschätzt
  • Hohe Personal- und Personalnebenkosten
  • Diskrepanz zwischen Umsatzentwicklung und Personalkostensteigerungen
  • Überschreitung des Finanzbudgets durch nicht eingeplante zusätzliche Investitionen
  • Wettbewerbsbedingte Preise, die unter den Kosten liegen
  • Zu hohe Abhängigkeit von Kunden und Lieferanten
  • Vernachlässigung des Rechnungswesens
  • Zu schmale Eigenkapitalbasis
  • Chronische Mittelknappheit, die zu ständiger Kreditüberziehung führt
  • Hergabe letzter Kreditsicherheiten, die dann zur Finanzierung des Umsatzwachstum fehlen
  • Hausbank verweigert Anschlusskredite zur Ausweitung der Umsatztätigkeit, weil z. B. nicht rechtzeitig mit der Bank verhandelt wurde
  • Überschätzung der Zahlungsmoral von Kunden, mit der Folge hoher ungeplanter Außenstände
  • Öffentliche Finanzierungshilfen nicht beantragt bzw. Kombinationsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft
  • Verwendung kurzfristiger Kredite für die Finanzierung langfristiger Investitionen

 

Besondere Kenntnisse im Bereich Fördermittel

Mit meinem Institut betreue ich Gründer und Jungunternehmer, die sich Ihren Traum der Selbständigkeit verwirklichen möchten. Der Bereich Fördermittelberatung stellt dabei einen zentralen Meilenstein meiner Dienstleistung dar. Über 30 Projekte konnte ich in den letzten beiden Jahren mit meinem Know-How erfolgreich betreuen.

 

Stefan GerberÜber den Autor: Stefan Gerber ist Leiter des Instituts für Gründungs- und Mittelstandsberatung in Viersen. Seit 2007 betreut er Existenzgründer und Jungunternehmer am Niederrhein, die sich ihren Traum der Selbständigkeit verwirklichen möchten. Der Bereich Fördermittelberatung ist dabei eine zentrale Dienstleistung des Instituts.

 

 

 

Bildquellen:

  • Abb. 2: Gründerland Deutschland, Zahlen und Fakten, Unternehmensgründungen und Gründergeist in Deutschland www.gruenderland-deutschland.de Stand: Juni 2013, S. 20.
  • Abb. 3: www.4cadvisory.com/hausbank-prinzip.html, 4 C Advisory GmbH, Webadresse: www.4cadvisory.com, 30.10.2013.
  • Abb. 4: Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften German Private Equity and Venture Capital Association

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