Welche Stellung nehmen Frauen in Familienunternehmen ein?

aktualisiert am 29. April 2020 9 Minuten zu lesen
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Weibliche Chefs führen anders – und glaubt man so manchen Studien, erledigen sie diesen Job besser, sprich umsatzstärker, als ihre männlichen Kollegen. Das hat nicht zuletzt Einfluss auf die Unternehmensbewertung. Der „Faktor Frau“ fließt damit direkt in den Prozess der Nachfolgesuche mit ein. Welche Stellung nehmen Frauen in Familienunternehmen heute ein und wie kann sich eine weibliche Führungskraft auf den Wert des Unternehmens auswirken? In diesem Artikel erfahren Sie mehr dazu.

 

Frauen in Familienunternehmen: Anteil, Branchen und Entwicklungen

Sie sind wenige, aber sie führen ihre Unternehmen überproportional häufig zum Erfolg: Frauen nehmen in gerade einmal 4,9 Prozent der deutschen Familienunternehmen eine Top-Position ein. Das ergab ein Ranking des Portals „Die Deutsche Wirtschaft“. Von 1.000 der umsatzstärksten Familienbetriebe werden nur 49 von weiblichen Chefs geleitet. Dabei fällt auf, dass es einen deutlichen Branchentrend gibt. Die meisten finden sich in Industriebetrieben, nämlich 55 Prozent. Auf diese folgt der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von 25 Prozent.

 

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Die Zahl an weiblichen Unternehmenslenkerinnen in Familienunternehmen dürfte mittelfristig allerdings deutlich steigen. Ein Grund dafür ist die anhaltende Nachfolgeproblematik. Ein Familienunternehmen legt üblicherweise noch größeren Wert als andere darauf, dass der Betrieb intern weitergegeben wird. Von einem geeigneten Nachfolger hängt die Zukunft des Unternehmens ab und damit das Lebenswerk des Gründers. In vielen Branchen wird die Nachfolge jedoch zunehmend problematisch. Zahlreiche Betriebe haben mit der Nachfolgeregelung ihre Schwierigkeiten und schaffen es nicht, den Betrieb innerhalb der Familie fortzuführen. Die Gründe sind vielfältig. Auffällig ist jedoch, dass insbesondere in ländlichen Regionen und einigen Branchen die Suche nach der nächsten Generation aus den eigenen Reihen erfolglos bleibt.

So kommen Nachfolger in Betracht, die bislang eine untergeordnete Rolle gespielt haben: Die Töchter. Der aktuell geringe Anteil könnte aufgrund dieser Tatsache signifikant steigen: Bis 2035 auf 31 Prozent. Frauen in Führungsrollen sind heute zwar längst kein Novum mehr, doch noch immer unterrepräsentiert. Aktuell dringen immer mehr Frauen in die obersten Managementebenen vor und die Unternehmertöchter bilden da keine Ausnahme.

Allerdings geraten Frauen längst nicht nur als Nachfolgerinnen an die Führungsspitze von Familienbetrieben. Sie gründen auch selbst oder übernehmen das Unternehmen von ihrem verstorbenen Ehemann. Folglich suchen sie früher oder später selbst nach einer Nachfolge.

 

Mehr Umsatz dank weiblicher Chefs

Über welchen Weg sie auch in den Chefsessel gekommen sind: Fest steht, dass es für die Strategie, die Umsätze und Gewinne, die Unternehmenskultur und damit letztendlich für die Unternehmensbewertung durchaus eine Rolle spielt, ob die Geschicke ein Mann oder eine Frau lenkt. Es beeinflusst nicht nur die Strategie und das Betriebsklima, sondern hat letztendlich auch Auswirkungen auf den Erfolg und damit den Unternehmenswert.

Die Führungsstile von Frauen und Männern unterscheiden sich deutlich voneinander. Zahlreiche Studien stellen fest, dass Unternehmen mit weiblicher Managementbesetzung erfolgreicher sind. Eine von ihnen ist die Erhebung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO von 2019. Zwischen 10 und 15 Prozentpunkte mehr betragen die Zuwächse. Sicherlich werden hier nicht nur Familienunternehmen unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sprechen jedoch auch für sie.

Dabei können heute die noch immer vorherrschenden Ansichten widerlegt werden, die meinen, Frauen gehen auf dem Chefsessel auf Kuschelkurs. Das Gegenteil ist der Fall. Je höher sie aufsteigen, desto härter geht es zu und das umso mehr, je ausgeglichener der Frau-Mann-Anteil an der Spitze ist. Übersteigt der Frauenanteil die Grenze von 22 Prozent, unterscheiden sich Männer und Frauen wenig. Vielmehr kommt es in höheren Positionen auf die Persönlichkeitsunterschiede an. Hier gibt es kein „besser“ oder „schlechter“, sondern lediglich andere Tendenzen. Dass diese offenbar zu wachsenden Umsätzen führen, zeigt die ILO-Erhebung.

 

Die Auswirkungen eines weiblichen Führungsstils auf die Unternehmensbewertung

Die Unternehmensnachfolge im Familienunternehmen wird vermehrt an Töchter vergeben – doch diese haben dieselben Schwierigkeiten wie ihre Väter oder Mütter, den Betrieb eines Tages weiterzugeben. Oftmals ist ein Verkauf die einzige Lösung, wenn die Töchter und Söhne andere Wege gehen. Hier kommt die Unternehmensbewertung ins Spiel: Sie gibt Orientierung, welcher Erlös zu erwarten ist und stellt eine Verhandlungsgrundlage für die Übergabe dar. Je höher der Wert, desto sorgloser kann der Ruhestand bestritten werden.

Die Führung beeinflusst den Wert eines Unternehmens, positiv wie negativ. Führen der Führungsstil und eine weitsichtige Strategie zum Erfolg, ist das nicht zuletzt der Chefetage zu verdanken. Doch agiert diese als übergreifende Instanz und ist der Betrieb stark mit einer Führungsperson verbunden, wirkt sie sich deutlich negativ auf den Unternehmenswert aus. Denn ein Betrieb, der nicht ohne seine/n Chef/in kann, birgt für potenzielle Käufer hohe Risiken.

Es deutet also vieles darauf hin, dass dies bei einer weiblichen Führungskraft anders ist. Das arbeitet auch das Paper „Frauen in der Unternehmensführung von Familienunternehmen – eine kritische Reflexion“ der PFH – Private Hochschule Göttingen heraus: Frauen arbeiten teamorientierter, kooperativer und weniger stark kontrollierend. Männer bevorzugen dagegen Hierarchien und Wettbewerb, wollen stärker Kontrolle ausüben. Das lässt den Schluss zu, dass Frauen seltener als männliche Chefs als einzig entscheidende Kontrollinstanz agieren. Die Gefahr für einen potenziellen Käufer oder Nachfolger, auf ein „Ein-Frau-Unternehmen“ zu treffen, das nach Ausscheiden der Führung den Halt verliert, minimiert sich dadurch deutlich.

Einen Grund dafür, der weniger in der Biologie als vielmehr in der Praxis verhaftet ist, nennt Daniela Jäkel-Wurzer, Mitgründerin der Initiative generation töchter: Viele Frauen können es sich schlicht zeitlich nicht leisten, die alleinige Verantwortung für den Familienbetrieb zu übernehmen. Sie haben Familie und Kinder und für sie ist es daher selbstverständlich, Aufgaben zu delegieren.

 

Unternehmensbewertung: die wichtigsten Faktoren

Der Wert eines Unternehmens wird von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst. Da sind zum einen die harten Fakten:

  • Umsätze und Rentabilität
  • Gewinn vor Steuern
  • Kapitalfluss

Sie lassen sich mit verschiedenen anerkannten Methoden weitgehend zuverlässig berechnen. Anhand der Ergebnisse können Interessenten Prognosen aufstellen und die Zukunftschancen abschätzen. Anders sieht es mit den weichen Faktoren aus. Neben der Abhängigkeit vom Inhaber spielen hier etwa diese Punkte wichtige Rollen:

  • Organisationsstruktur
  • Strategie
  • Mitarbeiterstruktur und -qualifikation
  • Kundenstamm und Qualität der Kundenbeziehungen
  • Produkt- bzw. Angebotsportfolio

Steht eine Frau an der Spitze des Familienunternehmens fallen diese weichen Faktoren häufig anders aus als bei männlichen Unternehmenslenkern. Das kann Vorteile für den Unternehmenswert haben – etwa wenn ein sozialerer Führungsstil zu einer höheren Mitarbeiterbindung führt. Auch eine enge Kundenbindung steigert den Wert, vor allem, wenn diese nicht allein von der Führungsperson abhängt.

 

Fazit: Frauen führen anders

Nachfolgerinnen im Familienunternehmen sind für viele Betriebe buchstäblich die letzte Rettung – und zwar eine, die das Lebenswerk des Gründers nach vorne bringen und dem Geschäft neue Impulse verleihen kann. Das hat deutlichen Einfluss auf den Wert des Unternehmens und wirkt sich bei einer möglichen Übergabe positiv auf den Erlös aus.

 

Dieser Artikel wurde von unserem Kooperationspartner Carl zur Verfügung gestellt.

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