GmbH oder Einzelunternehmen: Welche Rechtsform passt besser zu eurer Gründung?

Die Wahl zwischen GmbH oder Einzelunternehmen entscheidet darüber, wie schnell ihr starten könnt, wie hoch euer persönliches Risiko ist und wie viel Verwaltungsaufwand auf euch zukommt.

Egal, für welche Rechtsform ihr euch entscheidet, firma.de übernimmt den Papierkram für euch. Wir boosten Gründungen seit 2012.

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Zusammenfassung

Ob GmbH oder Einzelunternehmen besser passt, hängt vor allem von eurem Haftungsrisiko, euren erwarteten Gewinnen und eurem Budget ab. Das Einzelunternehmen ist ideal, wenn ihr schnell, günstig und unkompliziert starten möchtet. Die GmbH lohnt sich eher bei Gründerteams, höheren Risiken oder geplantem Wachstum. Steuerlich ist nicht der Umsatz entscheidend, sondern der Gewinn und die Frage, wie viel Geld ihr privat entnehmen wollt. Für viele Gründer:innen ist ein Start als Einzelunternehmen sinnvoll – mit späterem Wechsel in eine GmbH.

Inhaltsverzeichnis

 

GmbH oder Einzelunternehmen: Überblick

Der wichtigste Unterschied zwischen GmbH und Einzelunternehmen ist die rechtliche Trennung zwischen Unternehmen und Privatperson.

Beim Einzelunternehmen seid ihr als natürliche Person selbst das Unternehmen. Das macht die Gründung einfach, günstig und flexibel. Gleichzeitig haftet ihr aber grundsätzlich persönlich mit eurem gesamten Privatvermögen.

Die GmbH ist dagegen eine eigene juristische Person. Sie kann Verträge schließen, Vermögen besitzen und selbst haften. Das Stammkapital einer GmbH muss mindestens 25.000 Euro betragen; bei der Gründung müssen in der Praxis mindestens 12.500 Euro an eingezahlt sein.

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Aus unserer Beratungspraxis zeigt sich: Viele Gründer:innen entscheiden zunächst nach Kosten. Langfristig wichtiger sind aber Haftung, Gewinnverwendung und die Frage, wie professionell und skalierbar das Unternehmen aufgestellt sein soll.

 

Für wen eignet sich ein Einzelunternehmen?

Ein Einzelunternehmen eignet sich besonders, wenn ihr allein startet, wenig Kapital einsetzen möchtet und euer geschäftliches Risiko überschaubar ist.

Typische Beispiele

Situation Einzelunternehmen sinnvoll?
Nebenberuflicher Start Ja, häufig passend
Solo-Selbstständigkeit Ja, wenn Risiko gering ist
Dienstleistung ohne hohe Vorleistungen Oft sinnvoll
Test einer Geschäftsidee Sehr gut geeignet
Hohes Haftungsrisiko Schlecht geeignet

Der große Vorteil: Ihr könnt schnell loslegen. Je nach Tätigkeit reicht häufig eine Gewerbeanmeldung und die steuerliche Erfassung beim Finanzamt. Außerdem ist die Buchhaltung einfacher. Einzelkaufleute können unter bestimmten Voraussetzungen von der handelsrechtlichen Buchführungspflicht befreit sein, solange sie nicht mehr als 800.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Jahresüberschuss erreichen.

Der Nachteil: Wenn etwas schiefgeht, betrifft das nicht nur das Betriebsvermögen. Forderungen, Schadensersatzansprüche oder offene Verbindlichkeiten können auch euer privates Vermögen gefährden. Mehr zu den Vor- und Nachteilen von Einzelunternehmen lest ihr hier.

Wenn ihr ein Team aus zwei oder mehr Gründer:innen seid, fällt die Option eines Einzelunternehmens weg. Stattdessen könnte eine GbR interessant werden.

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Für wen eignet sich eine GmbH?

Eine GmbH eignet sich vor allem, wenn ihr euer Privatvermögen besser vom Unternehmen trennen möchtet, mit höheren Risiken arbeitet oder professionell gegenüber Banken, Investoren, größeren Kund:innen und Geschäftspartner:innen auftreten wollt. Der Gründungsprozess ist wesentlich komplexer, bietet aber langfristig mehr Sicherheit.

In der Praxis empfehlen wir eine GmbH besonders häufig, wenn:

Situation GmbH sinnvoll?
Hohe Haftungsrisiken Ja
Mehrere Gründer:innen Häufig ja
Investor:innen geplant Ja
Gewinne sollen reinvestiert werden Oft ja
Größere Verträge oder Lieferantenrisiken Ja
Sehr kleines Budget zum Start Eher nein

Risiken senken

Die Haftungsbeschränkung ist kein Freifahrtschein. Gesellschafter:innen und Geschäftsführer:innen können persönlich haften, etwa bei Pflichtverletzungen, Insolvenzverschleppung oder falschen Angaben. Trotzdem bietet die GmbH im Geschäftsverkehr einen deutlich stärkeren Schutz als das Einzelunternehmen.

Vergleich: GmbH oder Einzelunternehmen

Kriterium Einzelunternehmen GmbH
Gründung schnell und einfach notariell, formeller Ablauf
Mindestkapital keines 25.000 Euro Stammkapital
Haftung persönlich und unbeschränkt auf Gesellschaftsvermögen beschränkt
Steuern Einkommensteuer, ggf. Gewerbesteuer Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, ggf. Kapitalertragsteuer
Buchhaltung oft EÜR möglich doppelte Buchführung und Jahresabschluss
Außenwirkung einfach, persönlich professioneller, strukturierter
Investorenfähigkeit eingeschränkt deutlich besser
Flexibilität hoch niedriger
Laufende Kosten niedriger höher

Steuern: Wann ist die GmbH günstiger?

Steuerlich ist die Frage „Einzelunternehmen oder GmbH?“ komplexer, als viele Gründer:innen erwarten. Entscheidend ist nicht der Umsatz, sondern der Gewinn – und was ihr mit diesem Gewinn macht.

Beim Einzelunternehmen wird der Gewinn über eure persönliche Einkommensteuer versteuert. Der Einkommensteuertarif ist progressiv: Je höher euer zu versteuerndes Einkommen, desto höher der Steuersatz.

Bei der GmbH zahlt zunächst die Gesellschaft Steuern. Die Körperschaftsteuer beträgt aktuell 15 Prozent; hinzu kommen Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer.

Einzelunternehmen profitieren bei der Gewerbesteuer von einem Freibetrag von 24.500 Euro. Für Kapitalgesellschaften wie die GmbH gilt dieser Freibetrag nicht.

Die GmbH wird besonders interessant, wenn ihr Gewinne nicht vollständig ausschüttet, sondern im Unternehmen lasst, um Rücklagen zu bilden, Personal einzustellen oder zu investieren. Sobald Gewinne ausgeschüttet werden, fällt auf Ebene der Gesellschafter:innen zusätzlich Steuer an. Dabei wird häufig das Teileinkünfteverfahren relevant.

Faustregel aus der Praxis

Eine GmbH kann steuerlich ab etwa 80.000 bis 100.000 Euro Jahresgewinn interessant werden – aber nur, wenn nicht der gesamte Gewinn privat gebraucht wird. Wenn ihr den Großteil des Gewinns ohnehin für euren Lebensunterhalt benötigt, relativieren sich viele Steuervorteile.

Haftung: Wie groß ist euer persönliches Risiko?

Die Haftung ist oft der entscheidende Punkt bei der Rechtsformwahl. Ein erhöhtes Haftungsrisiko besteht bei Einzelunternehmen, wenn folgende Kriterien zutreffen:

Risiko Beispiel
hohe Vorleistungen Warenlager, Maschinen, große Softwareprojekte
langfristige Verträge Mietverträge, Lieferverträge, Rahmenverträge
Verarbeitung von Kundendaten Datenschutz, IT, Beratung
Hohe Schadenssummen möglich Produkthaftung, Fehlberatung, Ausfälle
Beschäftigung von Mitarbeiter:innen Lohnkosten, Arbeitgeberpflichten

Wenn euer Geschäftsmodell dagegen klein startet, wenig Fixkosten verursacht und gut versicherbar ist, kann ein Einzelunternehmen völlig ausreichend sein.

Viele Gründer:innen unterschätzen allerdings, dass Haftung nicht nur bei „großen Fehlern“ relevant wird. Schon ein Streit mit Kund:innen, offene Rechnungen oder Vertragsstrafen können zum finanziellen Problem werden. In diesem Fall müssen Einzelunternehmer die nicht selten eigenen Ersparnisse verwenden. Mehr zu persönlichen Haftung lesen. Hier findet ihr mehr zur Haftung der GmbH-Gesellschafter:innen oder der Geschäftsführer:innen-Haftung.

 

Gründungskosten und laufender Aufwand

Das Einzelunternehmen ist beim Start klar günstiger. Die Anmeldung kostet meist nur eine geringe Gebühr, und auch die laufende Verwaltung bleibt überschaubar.

Bei der GmbH entstehen dagegen Kosten für Notar, Handelsregistereintrag, Gesellschaftsvertrag, neues Geschäftskonto, Buchhaltung und Jahresabschluss. Das Stammkapital ist zwar kein „verlorenes Geld“, sondern kann nach der Gründung für betriebliche Zwecke verwendet werden. Trotzdem muss es beim Start zur Hälfte eingezahlt werden.

Kostenpunkt Einzelunternehmen GmbH
Gründungskosten oft unter 70 Euro ab 750 Euro plus Stammkapital
Notarbesuch nein ja
Handelsregistereintrag meist nein, außer e. K. ja
Stammkapital nein mindestens 25.000 Euro
Buchhaltung meist einfache Buchführung doppelte Buchführung
Steuerberatung oft günstiger meist teurer
Jahresabschluss meist nicht erforderlich, EÜR reicht aus erforderlich

In den meisten Fällen empfehlen wir: Wer sehr schlank startet und noch keinen belastbaren Umsatz- oder Gewinnnachweis hat, sollte den zusätzlichen GmbH-Aufwand bewusst gegen den Nutzen abwägen.

 

Entscheidungshilfe: Welche Rechtsform passt zu euch?

Wählt eher ein Einzelunternehmen, wenn ihr…

  • allein gründet
  • möglichst schnell starten wollt
  • das Haftungsrisiko als überschaubar bewertet
  • keine Investor:innen einbinden möchtet
  • den Gewinn überwiegend privat benötigt
  • die laufenden Kosten niedrig halten wollt

 

Wählt eher eine GmbH, wenn ihr…

  • euer Privatvermögen schützen wollt
  • ein Gründerteam seid
  • größere Verträge abschließen möchtet
  • langfristig wachsen wollt
  • hohe Gewinne im Unternehmen behalten möchtet
  • Investor:innen oder größere Geschäftspartner überzeugen wollt

 

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Samar Fathulla | Gründerberater

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Ein realistisches Szenario

Ihr startet allein mit einer Beratungsdienstleistung, habt kaum Fixkosten und wollt zunächst testen, ob der Markt funktioniert. Dann ist ein Einzelunternehmen oft der pragmatischere Einstieg.

Ihr entwickelt dagegen ein Produkt, schließt Lieferantenverträge, beschäftigt Mitarbeitende oder arbeitet mit hohen Kundengeldern, kann eine GmbH deutlich sinnvoller sein – auch wenn sie teurer und aufwendiger ist.

 

Einzelunternehmen in eine GmbH umwandeln: Geht das später noch?

Ja. Die Entscheidung für ein Einzelunternehmen ist nicht endgültig. Viele Gründer:innen starten bewusst mit einer einfachen Rechtsform und wechseln erst dann in eine GmbH, wenn das Unternehmen wächst oder sich die Rahmenbedingungen ändern.

Typische Gründe für einen Wechsel

  • steigende Gewinne
  • höheres Haftungsrisiko
  • neue Gesellschafter:innen oder Investor:innen
  • professionelleres Auftreten gegenüber Banken und Geschäftspartnern
  • steuerliche Vorteile durch Gewinnthesaurierung

 

Optionen beim Rechtsformwechsel

Möglichkeit Geeignet, wenn Besonderheiten
Neugründung einer GmbH und Übertragung einzelner Vermögenswerte kleine Unternehmen oder Solo-Gründer:innen einfachster Weg, Verträge müssen teilweise neu abgeschlossen werden
Einbringung des Einzelunternehmens als Sacheinlage (Sachgründung oder Sachkapitalerhöhung) bestehendes Unternehmen mit Kundenstamm und Vermögenswerten ermöglicht die Übertragung des gesamten Betriebs auf die GmbH
Ausgliederung nach dem Umwandlungsgesetz größere Unternehmen oder eingetragene Kaufleute (e.K.) rechtlich komplex, häufig mit steuerlicher Beratung umgesetzt

Unseren ausführlichen Beitrag zum Thema Umwandlung findet ihr hier.

Unser Tipp aus der Praxis

Plant den Wechsel möglichst früh gemeinsam mit rechtlicher und steuerlicher Beratung. Je nach Unternehmensgröße und Vermögenswerten lassen sich so steuerliche Nachteile vermeiden und bestehende Verträge oder Genehmigungen einfacher übertragen.

Fazit

Die Entscheidung zwischen GmbH oder Einzelunternehmen sollte nicht nur nach Steuern getroffen werden. Für den schnellen, kostengünstigen Start mit überschaubarem Risiko ist das Einzelunternehmen oft die bessere Wahl. Wenn Haftungsschutz, Wachstum, neue Gesellschafter:innen oder ein professioneller Außenauftritt relevant werden, spricht vieles für die GmbH. Aus unserer Erfahrung ist der beste Weg häufig: schlank starten, Zahlen beobachten und die Rechtsform anpassen, sobald Risiko, Gewinn oder Struktur es rechtfertigen. Lasst die steuerliche Seite vor der Entscheidung individuell prüfen, besonders wenn ihr dauerhaft hohe Gewinne erwartet.

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