Gewerbe anmelden: Alle Infos zur Gewerbeanmeldung

16. August 2017 9 Minuten zu lesen
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Das Anmelden eines Gewerbes ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in Ihre erfolgreiche Selbstständigkeit. Ob es um eine neue Existenzgründung geht, einen Nebenjob oder die Anmeldung eines Kleingewerbes, in allen drei Fällen wird ein Gewerbeschein benötigt. Für viele scheint die Anmeldung eines Gewerbes eine behördliche Barriere zu sein, dabei kann diese durch die richtige Vorbereitung sehr schnell durchbrochen werden. Im Folgenden wollen wir Sie daher über die wichtigsten Fakten zum Thema Gewerbeanmeldung informieren, damit Sie gut vorbereitet sind und ohne zusätzliche Hürden in Ihre neue Unternehmung starten können.

Wenn Sie sich selbständig machen möchten, ist die Gewerbeanmeldung ein zentraler Aspekt im Gründungsprozess. Wie Sie vorgehen, was zu beachten ist, und ob Sie Ihr Gewerbe überhaupt anmelden müssen, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

 

Was genau ist eigentlich ein Gewerbe?

Der Begriff “Gewerbe” bezeichnet eine selbständige Tätigkeit mit dem Zweck der Gewinnerzielung. Grundsätzlich sind freiberufliche von gewerblichen Tätigkeiten zu unterscheiden; so benötigen beispielsweise Personen, die einem freien oder einem Katalogberuf nachgehen, keine Gewerbeanmeldung. Als Katalogberufe gelten beispielsweise Ärzte und Journalisten oder auch Designer und Rechtsanwälte. Als Gewerbe zählen alle produzierenden und verarbeitenden Tätigkeiten aus Industrie und Handwerk. Die Gewerbeordnung (GewO) legt die für Deutschland geltende Gewerbefreiheit fest, aufgrund derer jeder ein Gewerbe anmelden darf, solange es für das gewünschte Gewerbe keine Ausnahmen oder Beschränkungen gibt.

 

Wer muss ein Gewerbe anmelden?

Grundsätzlich gilt: Jeder, der sich selbständig machen möchte und beabsichtigt, Gewinne zu erzielen, muss eine Gewerbeanmeldung vornehmen (§ 14 der GewO):

Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes, einer Zweigniederlassung oder einer unselbständigen Zweigstelle anfängt, muss dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen. Dazu zählen laut Gewerbeordnung auch Kleingewerbe. Ausübende der freien Berufe oder eines Katalogberufs hingegen müssen sich nicht beim Gewerbeamt anmelden. Freiberufler können sich zur Firmengründung den Schritt der Gewerbeanmeldung sparen und sich direkt an das Finanzamt wenden. Eine endgültige Einstufung, ob eine Tätigkeit als “freiberuflich” gilt oder nicht, nimmt das Finanzamt im Einzelfall bei der steuerlichen Erfassung vor.
Weitere Informationen zum Thema Freiberuflichkeit und Gewerbe finden Sie in unserem Ratgeber-Artikel zum Thema Wer muss kein Gewerbe anmelden?.

 

Wo melde ich mein Gewerbe an?

Ihr Gewerbe muss beim Gewerbeamt der für Ihren Unternehmenssitz zuständigen Gemeinde angemeldet werden. Denken Sie daran, Ihren gültigen Personalausweis mitzunehmen. Das Formular zur Gewerbeanmeldung finden Sie in der Regel auf der Webseite des für Sie zuständigen Gewerbeamtes; entweder Sie drucken es sich zu Hause aus oder lassen sich dieses vor Ort aushändigen. Das ausgefüllte Formular geben Sie persönlich beim Gewerbeamt ab. Nach kurzer Zeit meldet sich dann das Finanzamt zur steuerlichen Erfassung bei Ihnen. In dem Ihnen zugesandten Formular müssen Sie allgemeine Angaben bezüglich Ihrer Person eintragen, aber auch spezifische Fragen zu Ihrer zukünftigen Tätigkeit, Ihren voraussichtlichen Umsatz, Ihrer Art der Buchführung und Gewinnermittlung sowie zum Betriebskapital beantworten.

 

Wie viel kostet die Gewerbeanmeldung?

Grundsätzlich liegen die Kosten einer Gewerbeanmeldung zwischen 10 und 40 Euro. Bitte informieren Sie sich im Vorhinein bei dem für Sie zuständigen Gewerbeamt, welcher genaue Betrag zu zahlen ist, um die Anmeldung ohne Komplikationen durchführen zu können und Ihren Gewerbeschein zu erhalten. Ist dieser Schritt erfüllt, haben Sie offiziell eine Firma gegründet. Haben Sie eine andere Rechtsform als ein Einzelunternehmen oder eine GbR gewählt – beispielsweise eine GmbH, AG, UG oder GmbH & Co. KG – ist Im Vorfeld eine notarielle Beurkundung und Eintragung im Handelsregister notwendig. Beim Einzelunternehmen hängt dies davon ab, ob Sie als eingetragener Kaufmann (e.K.) einzustufen sind oder nicht.

 

Wie läuft die Gewerbeanmeldung genau ab?

Bei der Wahl der Rechtsformen GmbH, UG und ggf. auch beim Einzelunternehmen ist ein Handelsregistereintrag erforderlich. Diese Eintragung ist bereits vor der Gewerbeanmeldung zu veranlassen, da im Formular zur Anmeldung die HRG-Nummer sowie der Ort der Ausstellung anzugeben sind und ein Nachweis beizufügen ist. Ist Ihr Unternehmen bereits eingetragen oder haben Sie eine andere Rechtsform gewählt (z. B. GbR), können Sie mit der Gewerbeanmeldung fortfahren. Um Ihr Gewerbe anzumelden, müssen Sie zunächst das Formular komplett ausfüllen. In der Regel umfasst das erforderliche Formular zur Anmeldung Ihres Gewerbes eine Seite. Folgende Angaben sind unter anderem zu machen:

  • Persönliche Angaben: Name, Adresse, Geburtsort, etc.
  • Name und Rechtsform des zu gründenden Unternehmens. Bei einer GbR die Namen aller Gesellschafter
  • Bei Kapitalgesellschaften und Kaufleuten: Ort und Nummer des Handelsregistereintrags
  • Bei Personengesellschaften (GbR, OHG, etc.): Zahl der geschäftsführenden Gesellschafter
  • Bei Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG, etc.): Zahl der juristischen Verteter
  • Angaben zur Betriebsstätte
  • “Angemeldete Tätigkeit”: Welche geschäftlichen Aktivitäten sollen ausgeübt werden?

 

Bei Ihrer persönlichen Anmeldung beim Gewerbeamt sollten Sie folgende Unterlagen mitbringen:

  • Gültiger Personalausweis
  • Handwerkskarte (nur bei Handwerkern erforderlich)
  • Handelsregisterauszug (bei Kapitalgesellschaften und Kaufleuten)
  • Gewerbeerlaubnis sowie ggf. weitere branchenspezifische Genehmigungen
  • Im überwachungsbedürftigen Gewerbe: Polizeiliches Führungszeugnis, Auszug aus dem Gewerbezentralregister

 

Um einige Berufe selbständig ausüben zu dürfen, ist eine Gewerbeerlaubnis erforderlich (Was ist die Gewerbeerlaubnis und wen betrifft sie?). Erlaubnispflichtige Gewerbe sind unter anderem Spielhallen und Pfandleihen sowie Tätigkeiten als Versicherungsberater, Makler, Bauträger oder auch das Reisegewerbe. Neben den erlaubnispflichtigen Gewerben gibt es noch die überwachungsbedürftigen Gewerbe. Für die Anmeldung eines solchen Gewerbes benötigen Sie zusätzlich ein polizeiliches Führungszeugnis sowie einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister. Letzteres ist erforderlich, um nachzuweisen, dass in der Vergangenheit keineVerstöße gegen die GewO, Bußgelder oder gar das Verbot einer Gewerbeausübung verzeichnet wurden. Zu den überwachungspflichtigen Gewerben gehören unter anderem: Gebrauchtwarenhandel von hochpreisigen Produkten, Auskunftei und Detektei, Handel mit Gebäudesicherungsanlagen und diebstahlsicherem Öffnungswerkzeug, Reisebüros und Schlüsseldienste.

Gewerbeanmeldung Berlin (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung Hamburg (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung München (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung Köln (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung Frankfurt (Formular zum Download)

Was passiert nach der Gewerbeanmeldung?

Nach der Gewerbeanmeldung melden sich sowohl Finanzamt sowie IHK bzw. HWK bei Ihnen. Vom Finanzamt erhalten Sie einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Die Mitgliedschaft in der IHK ist für Gewerbetreibende verpflichtend. Zusätzlich müssen Sie sich und ggf. Ihre Mitarbeiter bei der für Sie zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden; diese ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Eine Mitgliedschaft in einem zu Ihrem Unternehmen passenden Bundesverband ist zu empfehlen.

 

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Die Ausübung eines Gewerbes unterliegt der Gewerbeordnung.
  • Jeder, der ein Gewerbe betreiben will, braucht einen Gewerbeschein.
  • Kennzeichen eines Gewerbes: Erlaubtheit, Offenheit, Gewinnerzielung, auf Dauer angelegt, Selbständigkeit
  • Einige Gewerbe sind genehmigungspflichtig, andere überwachungsbedürftig.
  • Zur Gewerbeanmeldung benötigen Sie Ihren Personalausweis.
  • Je nach Gewerbe werden weitere Nachweise benötigt, beispielsweise Genehmigung, Handwerkskarte, Gewerbekarte, Handelsregisterauszug (falls vorhanden), Aufenthaltsgenehmigung, Führungszeugnis, Auskunft aus dem Gewerbezentralregister
  • Die Anmeldung erfolgt bei dem Gewerbeamt der Gemeinde/Stadt, in der der Betrieb eröffnet wird.
  • Die Kosten liegen zwischen 10 und 40 Euro.

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